Im Gespräch mit Rico Schwarz
Nach 19 Jahren wieder ein Deutscher Crosslauftitel für Thüringen
Nach dem Gewinn der Silbermedaille über 3000 Meter bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig setzte Rico Schwarz vom ASV Erfurt bei den Deutschen Crosslaufmeisterschaften im niedersächsischen Löningen ein weiteres Achtungszeichen in seiner noch jungen leistungssportlichen Karriere und erkämpfte auf der Mittelstreckendistanz über 3,7 Kilometer seinen ersten Deutschen Meistertitel bei den Männern. Damit ist der 22-jährige Schützling von Trainer Andreas Möckel nach mehr als 18 Jahren der zweite Thüringer, der bei einer Deutschen Crosslaufmeisterschaft den Sprung aufs höchste Treppchen schaffte. Seit Neugründung des Thüringer Leichtathletik-Verbandes (TLV) gelang das 1992 dem Hallen-Vizeweltmeister über 1500 Meter und Olympiateilnehmer Hauke Fuhlbrügge (TSV Erfurt).
Kennen Sie den 1966 in Friedrichroda geborenen Hauke Fuhlbrügge, der 1989 Vizeweltmeister im der Halle, 1991 WM-Dritter über 1500 Meter und 1992 Deutscher Crosslaufmeister wurde?
Rico Schwarz: Nein – ich kenne ihn nur vom Namen her. Mein Trainer hat mir von ihm erzählt, dass er 1992 Deutscher Crosslaufmeister auf der Mittelstreckendistanz wurde und ich der zweite Thüringer bin, der nach 19 Jahren wieder einen Titel erkämpfte.
Warum hatten Sie sich als Langstreckler für die Mittelstrecke entschieden?
Rico Schwarz: Es ist richtig, ich bin Langstreckler. Doch auch die 3,7 Kilo-meter sind beim Crosslauf schon eine lange Strecke. Zudem lagen mir noch die Strapazen der Deutschen Hallenmeisterschaften in den Beinen, auch wenn die 3000 Meter meine Lieblingsdisziplin sind. Mit Blick auf das anstehende vierwöchige Trainingslager in Flagstaff/USA wäre es eine übergebührende Belastung gewesen, bei der Cross-DM über 10 km an den Start zu gehen.
Was hat Sie motiviert, sich wenige Tage nach der Hallen-DM ohne größere Erholungsphase der nächsten Herausforderung zu stellen?
Rico Schwarz: Ich wusste um meine derzeit gute Form, dass es auch bei der Cross-DM mit einer Medaille klappen könnte. Dass es sogar zum Titel reichte, und das in dieser Deutlichkeit, hat mich selbst ein wenig überrascht. Der überlegene Sieg mindert keineswegs meine Leistung, auch wenn mit Vorjahrssieger Carsten Schlangen (LG Nord Berlin) und Vizemeister Wolfram Müller (Erfurter LAC) zwei leistungsstarke Athleten nicht am Start waren. Dieser Tatsache bin ich mir voll bewusst. Deshalb liegt mit Blick auf die eigentlichen Saisonhöhepunkte noch ein hartes Stück Arbeit vor mir, um auch im Ensemble der wirklich Besten Deutscher Meister zu werden. Mit einem gesunden und kontinuierlichen Training liegt so ein Ziel keineswegs mehr außer Reichweite.
Als Jugendlicher gehörten Sie nicht unbedingt zu den hoffnungsvollen Nachwuchsathleten des Thüringer Leichtathletik-Verbandes (TLV), rangierten in der Bestenliste viele andere Läufer vor Ihnen. Wie haben Sie trotzdem den Sprung in die Leistungsspitze der besten deutschen Langstreckler geschafft und wo sind die Anderen geblieben?
Rico Schwarz: Das stimmt. Ich gehörte bei den Schülern nicht zu den besten Läufern. Damals bestimmten viele andere Athleten das Niveau. Einige von ihnen haben mittlerweile eine andere Laufbahn eingeschlagen. Ich wechselte relativ spät ans Erfurter Sportgymnasiums. Da ich aber immer gesund und verletzungsfrei geblieben bin, habe ich mich über ein zielgerichtetes, fleißiges und vor allem kontinuierliches Training langsam nach oben gearbeitet. Vielleicht setzten die „Anderen“ mehr auf ihr Talent, während ich meine sportliche Entwicklung stets an einem harten und kontinuierliches Training ausrichtete. Vom Anfang an hat mein Trainer gesagt, dass von unserer Trainingsgruppe höchstens ein bis zwei Athleten den Sprung in die Spitze schaffen könnten.
Welche konkreten Ziele haben Sie sich für diese Saison 2011 gesetzt?
Rico Schwarz: Die erste Standortbestimmung erfolgt am 7. Mai bei den Deutschen 10 000-Meter-Meisterschaften in Essen. Das wird nach dem Höhentrainingslager der erste wichtige Test sein, um zu sehen, wo ich stehe. Wenn dann alle Asse am Start sind, muss ich topfit sein. Gold wäre wohl vermessen, aber eine Medaille wäre super. Über 5000 Meter möchte ich nicht nur eine Medailleerringen, sondern auch eine Zeit um die 13:40 Minuten laufen. Dann reizt es mich, endlich den Landesrekord von Siegfried Herrmann (SC Turbine Erfurt) aus dem Jahr 1965 von 13:30,0 Minuten zu knacken und zu verbessern. Wenn es in dieser Saison noch nicht klappt, ist es zumindestens ein erstrebenswertes Ziel für die nächsten Jahre.
Wie sehen Sie die weitere Entwicklung im Mittel- und Langstreckenbereich in Thüringen?
Rico Schwarz: An Talenten mangelt es nicht. Das hat Stefan Eberhardt (LG ohra hörselgas/LC Erfurt) über 1500 Meter in 3:33:92 Minuten unter Beweis gestellt. Diese starke Leistung hat der Thüringer Leichtathletik gut getan wie auch die Zeit von Sebastian Keiner (Erfurter LAC) über 800 Meter in 1:46,30 min. Trotz der vorhandenen Substanz blieben sie bisher den Beweis schuldig, solche konstanten Zeiten auch bei internationalen Höhepunkten abzurufen. Ein Problem ist wohl, dass die Zusammenarbeit zwischen den Trainingsgruppen nicht so funktioniert. Um leistungsmäßig mehr voneinander profitieren zu können, müssten Trainer und Aktive der drei Trainingsgruppen enger zusammenarbeiten. Die Initiative ist jedenfalls und es wurde auch schon Einiges bewegt. Gelingt das, dann wären wir zum Beispiel in der Staffel über 3 x 1000 Meter fast unschlagbar. Das Potential ist da, es müsse jetzt nur zielgerichteter genutzt und ausgeschöpft werden.