19 Jul 2010

Die 14 Minutenschallmauer ist gefallen

Geschrieben von Rico

Rico Schwarz in der Verfolgung von Sebastian HallmannWahnsinn! Was für ein Gefühl! Nach wochenlanger Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig belegte ich im 5000m – Finale den 6. Platz mit einer neuen persönlichen Bestleistung von 13:58,29min, was gleichzeitig meine erste Zeit unter der 14 min- Schallmauer ist. Nach dieser Saison, die für mich zwar viele Tiefen, aber relativ wenig Höhen mit sich brachte, bin ich sehr glücklich über diese Zeit. Dass sie lediglich Platz 6 bedeutet, ist dabei nicht weiter tragisch, da die Konkurrenz in einem sehr erlesenen Feld verdammt stark auftrumpfte, allen voran der alte und neue deutsche Meister Arne Gabius.

Unrhythmisch hatte es begonnen (2:46min nach 1000m), nachdem Marc-Andre Kowalinski und Carlo Schuff vom PST Trier zügig das Rennen starteten, dann aber die Führungsarbeit nicht weiter tragen wollten. Sebastian Hallmann setzte ihre Pace etwas langsamer fort, verabschiedete sich jedoch ebenfalls wieder von der Spitze. An diesem Punkt des Rennens schlief das Tempo komplett ein, da niemand wirklich nachsetzte, bis schließlich Julian Flügel die Arbeit wieder aufnahm und das Finale näher und näher rückte. In allen Phasen des bisherigen Rennverlaufs behauptete ich die zweite Position, um mich aus allen Rangeleien herauszuhalten und mir das nötige Selbstbewusstsein für die letzten 1000m zu holen. Denn genau hier sollte es schnell werden. Verdammt schnell!
Philipp Pflieger, dessen Stärke mir aus zahlreichen Zweikämpfen und dem gemeinsamen Trainingslager in Regensburg mehr als bewusst war, übernahm nun das Tempo und absolvierte ab 3800m zwei tiefe 60er Runden. Ich schaffte es, für mich beinahe überraschend, nachzusetzen, da ich einen sehr guten Rhythmus fand und zu diesem Zeitpunkt keinerlei Zweifel mehr an meinen Fähigkeiten hatte. 600m vor dem Ziel ging Arne Gabius, der spätere Sieger, in Front, was zu weiteren plötzlichen Antritten führte. Eingangs der letzten Runde merkte ich langsam, wie diese ständigen Tempoverschärfungen meinen Lauf störten und ich versuchte mit einem eigenen Angriff das Geschehen zu kontrollieren. Das funktionierte bis 250m vor dem Ziel, denn genau jetzt machten Deutschlands beste Langstreckler (Arne Gabius, Filmon Ghirmai, Philipp Pflieger, Jan Fitschen, Musa- Roba Kinkal) endgültig ernst und setzten zum finalen Endspurt an. Völlig am Limit laufend konnte ich meine Position nicht mehr halten und kämpfte, als würde es um mein Leben gehen. 50m vor dem Ziel wurde es ein Lauf gegen die Uhr, da ich realisierte, dass das eigentlich langsame Rennen doch noch eine tolle Zeit für mich bereit hielt. In 13:58,29min überquerte ich erschöpft die Ziellinie und wusste nicht, ob ich zufrieden oder unzufrieden sein sollte. Erst nach und nach wurde mir bewusst, dass ich so lange wie noch nie mit der Männerspitze mitgehalten habe und ich bis 4800m mit Läufern das Rennen bestimmte, die Bestzeiten deutlich unter 29min auf 10000m stehen haben, allen voran der Europameister Jan Fitschen.
Gegen eine solch starke Konkurrenz, die gleich reihenweise unter 14 min in einem Meisterschaftsrennen blieb, schaffte ich einen taktisch perfekten Lauf und schöpfte all meine bisherigen Möglichkeiten aus. Dieser und der Fakt, dass ich in den letzten 6 Wochen einen deutlichen Leistungssprung geschafft habe, sind die Gründe, wieso mich die gestrige Veranstaltung absolut glücklich stimmt. Ein großer Dank gilt dabei meinem Trainer Andreas Möckel, der mit viel Geduld das Training gestaltet hat und mich so zurück in die Erfolgsspur brachte. Dank auch an meine Freunde, die mich vor allem in Zeiten der Niederlage seelisch aufgebaut haben, mir die nötige Ablenkung verschafften und mich mit einem großen Plakat in der Süd- und Nordkurve des DM- Stadions anfeuerten.

Mit diesem gewonnen Selbstvertrauen und der derzeitigen Form heißt es jetzt, weitere große Aufgaben, wie die Deutschen Juniorenmeisterschaften anzugehen und möglichst in der Erfolgsspur zu bleiben. Diesen Weg könnt ihr wie gewohnt auf meiner Homepage mitverfolgen. Ich wünsche euch dabei viel Spaß.

Euer Rico

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